Geheime Botschaften?

Ein großer Teil der in der Literatur besprochenen Pyramidengeheimnisse widmet sich den sogenannten numerologischen Rätseln, die in den ägyptischen Großbauten verborgen sein sollen. Numerologische Rätsel sind sehr verbreitet und beliebt, und werden von Buch- und Webautoren sowie auf Videoportalen verbreitet.
Setzt man bestimmte Dimensionen von Gebäuden untereinander ins Verhältnis, erhält man oft Zahlenwerte, die bestimmten Naturkonstanten oder mathematischen Zahlen wie Pi oder Phi nahe kommen. Viele werten das Auftreten dieser Zahlen als ein Zeichen der Baumeister an nachfolgende Generationen, als Botschaften die auf ein weit höheres mathematisches und naturwissenschaftliches Wissen der Erbauer hindeuten, als die konservativen Wissenschaft den Ägyptern zutraut. In letzter Konsequenz würde dies bedeuten, dass die Ägypter entweder viel weiter entwickelt waren als angenommen, oder dass die Pyramiden nicht von ihnen entworfen wurden.

Die Botschaften werden überall gesucht und gefunden. In der Anordnung der Kammern, den Ausmaßen der Pyramiden, der Anordnung der Pyramiden auf dem Gizeh-Plateau oder der Position von Gizeh auf der Erde. Moment, Gizeh? Gibt's nicht mehr Pyramiden?
Stimmt schon, aber die werden von den Botschaftssuchern fast vollständig ignoriert. Praktisch alle Botschaften finden sich lediglich in der Großen Pyramide, zu einem kleinen Teil auch in den anderen Pyramiden in Gizeh. Denn diese sollen die ältesten, ursprünglichen Pyramiden sein, die von den Originalerbauern stammen, im Gegensatz zu den von den späteren Ägyptern errichteten Kopien. Sie sollen Jahrtausende älter sein als die anderen Bauten, auch älter als die Stufenpyramide von Djoser, die von Ägyptologen als die Älteste gesehen wird.

Von der Unzahl der Zahlenrätsel um die Pyramiden behandele ich hier nur einen kleinen Querschnitt, und beginne mit denen, die Erich von Däniken in seinem Buch Die Augen der Sphinx auflistet. Diese Sammlung wird so auch von anderen deutschsprachigen Buch- und Web-Autoren verwendet und ist daher schon fast repräsentativ.
Weitere Rätsel füge ich dann locker im Anschluss ein.

Hier nun die Liste aus Augen der Sphinx, S. 151-155. Diese stammt laut Erich von Däniken im Original aus dem Buch Nur 4000 Jahre Kultur? von E.H. Tarhan, über das ich bislang leider nichts in Erfahrung bringen konnte.

Nr. Rätsel
1 Die Pyramide ist genau nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet
2 Die Pyramide liegt im Zentrum der Festlandsmassen der Erde
3 (a) Der Meridian der durch Gizeh läuft teilt die Meere und die Kontinente in zwei gleich große Teile. (b) Dieser Meridian ist außerdem der am längsten über Land laufende Nord-Süd-Meridian und bildet den natürlichen Nullpunkt für die Längenmessung des ganzen Erdballs
4 Die Pyramiden-Winkel teilen die Deltaregion am Nil in zwei gleiche Hälften
5 Die Pyramide ist ein vollkommener geodätischer Fest- und Richtpunkt. Mit Hilfe der Triangulation kann alles Land in Sichtweite vermessen werden, wie Napoleons Wissenschaftler staunend feststellten.
6 Die drei Pyramiden von Gizeh sind untereinander im pythagoreischen Dreieck ausgerichtet, deren Seiten stehen im Verhältnis 3:4:5
7 (a) Das Verhältnis zwischen Höhe und Umfang der Pyramide entspricht dem Verhältnis zwischen einem Kreisradius und dem Umfang des Kreises. (b) Die vier Seiten sind die größten und auffälligsten Dreiecke der Welt.
8 (a) Mit der Pyramide lässt sich sowohl der Kugelinhalt als auch die Kreisfläche berechnen. (b) Sie ist ein Denkmal der Quadratur des Kreises.
9 (a) Die Pyramide ist eine riesige Sonnenuhr. Die von ihr Mitte Oktober bis Anfang März geworfene Schatten zeigen die Jahreszeiten und die Länge des Jahres an. (b) Die Länge der Steinplatten, welche die Pyramide umgeben, entspricht der Schattenlänge von einem Tag. (c) Durch Beobachtung dieses Schattens auf den Steinplatten konnte die Länge eines Jahres auf den 0.2419. Teil eines Tages genau angegeben werden.
10 Die normale Seitenlänge der viereckigen Basis ergibt 365,342 ägyptische Ellen. Die Zahl ist identisch mit der Anzahl der Tage des tropischen Sonnenjahres.
11 Der Abstand der großen Pyramide vom Mittelpunkt der Erde ist genauso groß wie der Abstand zum Nordpol und entspricht somit dem Abstand vom Nordpol zum Erdmittelpunkt.
12 Wird die Grundfläche der Pyramide durch die doppelte Hälfte1  ] des Monuments dividiert, erhält man die Zahl Pi = 3.1416
13 Der gesamte Flächeninhalt der vier Pyramiden-Seiten entspricht dem Quadrat der Pyramidenhöhe.
14 Die Spitze der großen Pyramide steht für den Nordpol, ihr Umfang entspricht der Länge des Äquators, und beide liegen maßstabgerecht voneinander entfernt. Jede Seite der Pyramide wurde so gemessen, daß sie jeweils einen Viertelsektor der nördlichen Halbkugel oder einem sphärischen Quadrat von 90 Grad entsprach (Der Äquatorumfang beträgt 40076,592 km, der Erdumfang über die Pole gerechnet 40009,153 km).

Mit (a), (b) und (c)-Punkten sind dies 19 einzelne Rätsel in dieser kurzen Liste. Wenn die alle oder wenigstens überwiegend zutreffen sollten, müssten die Geschichtsbücher in der Tat überarbeitet werden. Ich werde diese Punkte im Anschluss einzeln abhandeln. Merken wir uns also: Momentan haben wir 19 Punkte für Geheimbotschaften in Pyramiden!

Rätsel oder nicht?

Was ist eigentlich ein "Rätsel" im eigentlichen Sinn? In meinen Augen ist ein Rätsel eine Eigenschaft die nicht aus natürlichen Gegebenheiten abzuleiten ist. Ein Gebäude am höchsten Punkt Hollands ist zum Beispiel kein Rätsel, höchstens eine Besonderheit. Außer man kann begründen, warum dieser Bauplatz rätselhaft sein soll. Und dass man vom höchsten Punkt dieses Gebäudes (der auch noch ein Aussichtsturm ist) eine besonders gute Weitsicht hat ist ebenfalls kein Rätsel sondern sogar die beabsichtigte Eigenschaft dieses Bauwerks.
Leider sind einige der Pyramidenrätsel von gleichartiger Banalität.

Kein Rätsel...

ist Punkt (1): Die Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen. Denn alle echten Pyramiden Ägyptens - über 100 Stück! - sind nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Die Himmelsrichtung war für die ägyptische Kultur sehr bedeutend (Osten: Das Land der Lebenden, der Ort der Schöpfung. Westen: Das Land der Toten, der Ort der Vernichtung. Norden: Das Land der Unzerstörbaren), daher ist praktisch jedes Bauwerk in Ägypten entsprechend ausgerichtet. Die Bestimmung der Nordrichtung für die Grundsteinlegung eines neuen Tempels war z.B. Aufgabe des Königs höchstpersönlich. Was vielleicht noch als rätselhaft ausgelegt werden kann ist die Präzision mit der dies geschah, aber das ist mehr ein Konstruktionsrätsel. Und das schauen wir uns im Ägyptologieteil an.

Ebenfalls kein Rätsel ist Punkt (5): Natürlich ist die Pyramidenspitze ein geodätischer Richtpunkt - als höchste und markanteste Erhebung kann man sie sogar heute noch über weite Strecken als Ortsmarker benutzen. Nur ist dies keine geheime Botschaft sondern lediglich das Resultat der Eigenschaft, dass die Pyramiden (alle!) die lokal höchsten Erhebungen in der Wüste sind. Und damit teilt die Cheopspyramide diese Eigenschaft mit den anderen Pyramidenanlagen in Sakkara, Abusir, Dahschur, Lischt, Fayum und Meidum. Und Abu Roasch und el-Aryan, falls die Pyramiden dort vollendet worden waren. Dies ist also kein bisschen rätselhafter als die Weitsicht vom Aussichtsturm in Holland :-)

Ein weiteres Nichträtsel ist (7 b). Da eine Pyramide nun mal aus vier dreieckigen Seitenflächen besteht, kommt die größte echte, geometrische Pyramide einfach nicht umhin, nebenbei auch noch die größten Dreiecke zu haben :-)
Auch dieses "Rätsel" ist nicht mehr als die Auswirkung der Eigenschaften des Gebäudes selbst.

Somit bleiben 16 Rätsel über, 3 Rätsel konnten bereits im Vorfeld "entschärft" werden.

Die Rätselkategorien

Bei den verbliebenen Rätseln kann man zwei verschiedene Kategorien unterscheiden:

Standorträtsel bei denen die Position der Pyramide auf der Erde das Rätsel bildet. Zu diesen zählen:

also 5 Einzelrätsel.

Als zweite Kategorie gibt es die Bauwerkrätsel bei denen die Pyramide selbst die Botschaft enthält. Bis auf (6), den Pythagoras, gehören alle übrigen Geheimnisse dazu.
Allerdings stellen etliche dieser Rätsel eine Einheit dar, die sogenannten Pi-Rätsel. Zu ihnen zählt

Diese drei Geheimnisse hängen einzig und alleine davon ab, ob Pi in der Pyramide steckt oder nicht. Dabei sind (7a) und (12) sogar identisch. (8a) bedeutet lediglich, daß mit der Pyramide als PI-Wert natürlich auch die Umfangs- und Volumengleichungen einer umgebenden Kugel lösbar sind

Widersprüche...

Interessanterweise ist (14) aber genau das Gegenbeispiel zu den drei Pi-Rätseln, denn es besagt, dass die Pyramide eben nicht von einer Kugel umschlossen werden kann. In (14) wird die Länge der Pyramidenseite als Viertelsektor einer Kugel aufgefasst. Dasselbe geschieht, wenn man den Umfang der Pyramide durch die Höhe dividiert, um Pi zu erzielen - die Seiten werden mit Kreisabschnitten gleichgesetzt. Steckt nun Pi drin, muss der Äquatorumfang gleich dem durch die Höhe repräsentiertem Polumfang sein - im Widerspruch zu (14), bei dem der Polumfang ein abgeflachter Rotationsellipsoid ist! Beide Rätselkategorien schließen sich gegenseitig aus: Steckt Pi drin, muss (14) falsch sein, stimmt Rätsel (14) müssen (7a), (8a) und (12) falsch sein! Uh oh!

Die sakrale Elle

Rätsel (10) stellt ebenfalls einen Widerspruch dar. Denn mit ägyptischen Ellen gemessen soll genau die Länge des tropischen Jahres als Basisbreite der Großen Pyramide herauskommen (welches übrigens 365,2422 Tage lang ist, und nicht 365,342 Tage, wie Däniken fälschlicherweise schreibt).

Ellenstab
Fig. 1 – Ellenstab

Im alten Reich wurde eine durchschnittliche Elle (es gab noch keinen Eichmeter, daher gab es kleine Variationen) zwischen 52.3 und 52.5 cm pro Elle verwendet2  ]. Der Gebrauch dieser Ellen ist belegt, und es wurden dutzende von Ellenstäben in unterschiedlichsten Variationen gefunden. Das nebenstehende Bild zeigt einen Ellenstab Osorkons3  ]
Teilt man die Pyramidenbreite von durchschnittlich 230,38 m durch diese Werte erhält man zwischen 438,78 und 440,45 Ellen Länge. Beide Werte haben nichts mit unserer Jahreslänge von 365.2422 Tagen zu tun!

Das liegt daran, dass EvD mit einer Elle arbeitet die den alten Ägyptern überhaupt nicht bekannt war, die er aber für die "ägyptische Elle" hält. An anderer Stelle schreibt er nämlich dazu3  ]:

"Nicht anders verhält es sich mit der sakralen Elle im alten Ägypten. Sie misst 63,5 Zentimeter und entspricht einem Tausendstel der Strecke, die sich die Erde bei ihrer Umdrehung innerhalb einer Sekunde am Äquator weiterdreht."

Stellt sich nun die Frage, woher die Ägypter die Rotationsgeschwindigkeit der Erde kannten. Aber Moment, stimmt der Wert denn überhaupt?
Erich von Däniken gibt die wesentlichen Angaben zur Überprüfung selbst in seinem Buch an. Nur zwei Seiten vorher, in Rätsel (14) gibt er den Erdumfang mit 40076,592 km an. Die Minute hat 60 Sekunden, die Stunde 60 Minuten, der Tag 24 Stunden. Also hat der Tag (24 * 60 * 60) = 86400 Sekunden. Teilt man den von EvD selbst angegebenen Erdumfang durch die Sekunden erhält man 463,8 Meter pro Sekunde als Rotationsgeschwindigkeit am Äquator. Ein Tausendstel davon sind 46,38 Zentimeter, und keine 63,5 Zentimeter! Dänikens Angabe über die Herkunft der 63,5 Zentimeter ist schlicht falsch. Anhand der Daten berechnet die er selbst in seinem Buch angibt! Hm, vielleicht ist die Erfindung des Taschenrechners (mit dem man so etwas überprüfen kann) noch nicht bis in die Schweiz vorgedrungen...

Im übrigen würde Dänikens Rätsel auch mit der korrekten Herleitung nicht hinhauen: 230,38 Meter geteilt durch 63,5 Zentimeter ergibt 362,77 - etliche Tage neben der von EvD behaupteten Zahl. Ermittelt mit EvD's eigenen Angaben die nur wenige Seiten auseinander stehen!!!

Diese Behauptung ist gleich dreimal falsch: Die Eingangsbehauptung stimmt nicht, die Herleitung der Längeneinheit ist falsch, und selbst die Berechnung mit der angegebenen Länge geht in die Hose. Für diese Behauptung sollte man der Alternativseite eigentlich gleich drei Punkte abziehen...
Dieses Rätsel demonstriert allerdings in erschreckend deutlicher Weise den traurigen Umstand, dass die meisten Autoren grenzwissenschaftlicher Werke die von ihnen verwendeten Behauptungen nicht überprüfen sondern einfach übernehmen, wenn sie nur spektakulär genug klingen.
Und hier mein Tipp an alle Zahlenanhänger: Kontrollieren Sie einfach mal die Angaben ihrer Lieblingsautoren. Rechnen Sie einfach mal im ersten Schritt die Originalangaen nach...
Von den ursprünglichen Rätseln sind nun noch 15 übrig, 4 konnten bereits im Vorfeld eliminiert werden.

Ursprünge der Zahlenmysterien

Um ein besseres Verständnis für die Zahlenmysterien zu bekommen, sollte man ein wenig über ihren Ursprung kennen. Kurt Mendelssohn hat diesem in seinem Buch Das Rätsel der Pyramiden ein Kapitel gewidmet3  ] aus dem ich hier zusammenfasse:
Die 63 cm-Einheit stammt aus einer englischen Gegenbewegung zur geplanten Einführung eines neuen Maßsystems - des Meters - aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts! Der Meter war auf eine für die Engländer geradezu infame Weise definiert: Der 40 Millionste Teil des Meridians, der durch Paris hindurch läuft. Nun, dafür hatte man sich nicht mehrmals mit Napoleon herumgeschlagen!
Was ist besser als ein von Menschen geschaffenes Maß? Nun, ganz einfach, ein von Gott gegebenes! Einige Engländer des 19. Jahrhunderts waren der Meinung, dass sie von ihrer Abstammung her allen anderen Völkern überlegen seien. Eine populäre Theorie sagte, sie seien einer der verlorenen Stämme Israels, und das von ihnen verwendete Inch (Zoll) stamme direkt von Gott, denn der Name Inch solle sich vom biblischen Propheten Enoch her ableiten! Damit erachteten viele Engländer, auch gelehrte Häupter, dieses Maßsystem als das einzig natürliche und wahre. Und siehe da, das Zoll entsprach ungefähr dem 25 Millionsten Teil des Polhalbmessers der Erde von 6348 km. Eine Längendefinition ohne Pariser Meridian!
Die große Pyramide in Gizeh wurde von vielen ebenfalls als göttliches Bauwerk gesehen, wen wundert es daher, dass etliche Zoll-Verfechter daran gingen zu beweisen, daß das Zoll als universelles Baumaß in die Pyramide eingegangen sei. Ein Astronom namens Piazzi Smyth fand denn auch den Pyramidenyard von 63.5 cm als Grundlage für den Pyramidenbau - dies entsprach genau 25 Zoll! Der Beweis!?!

Soweit Mendelsohn. Smyth fand mit dieser Maßeinheit in der Pyramide Zusammenhänge mit der Natur und dem Universum, die noch heute als Basis vieler grenzwissenschaftlicher Theorien dienen. Und die belegen, dass der Bau von Wesen initiiert worden sein muss die über Kenntnisse verfügten, die die Ägypter niemals besaßen. So fiel ihm als ersten die von Däniken aufgeführte Übereinstimmung zwischen in Pyramidenellen gemessener Pyramidenbasis und dem tropischen Jahr auf. Denn mit seinen Daten aus dem Jahre 1864 funktioniert die Berechnung!

Wieso aber funktioniert sie heute nicht? Dazu muss man ein wenig über die Hintergründe der Zahlenmystik recherchieren (eine ausführliche Beschreibung finden Sie im Archäologieteil- Vermessung der Pyramiden). Smyth entwickelte seine Theorien auf Basis von Schätzungen der Pyramidenmaße. Er reiste zwar persönlich ins Land der Ägypter, und verbrachte dort viele Jahre seines Lebens, und führte dort auch bahnbrechende Vermessungen durch. Das für alle seine Theorien fundamentale Maß, die Breite der Pyramide, konnte er nicht selbst messen, da die Pyramidenbasis zu seiner Zeit von meterhohem Schutt bedeckt war. So begnügte er sich, den Kantenneigungswinkel mit äußerster Präzision zu vermessen, um daraus eine Breite und Höhe zu schätzen!!! Basierend auf der von ihm selbst aufgestellten Vermutung, dass in die Pyramide die Zahl Pi eincodiert worden sei. Er steckte Pi hinein und ermittelte -oh Wunder - eine Breite mit der man Pi erhielt.
Kurz nach seiner Abreise aus Ägypten gelang es einem von ihm beauftragtes Ingenieurteam, die vermeintlichen Ecklöcher des Pyramidenfundaments wiederzufinden, die mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor unter Napoleon freigelegt wurden, inzwischen aber wieder im Wüstensand verschwunden waren.. Sie maßen aus deren Abstand die Breite der Pyramide - und sie war schmaler, als es Smyth gebrauchen konnte. Noch schlimmer: Eine Expedition, organisiert vom "Vater der modernen Ägyptologie", Flinders Petrie zur Unterstützung Smyths fand 1880 heraus, dass die vermeintlichen Kantlöcher überhaupt keine waren. Die Pyramide war noch schmaler als das alte, für Smyth bereits katastrophale Ergebnis. Das fundamentale Basismaß für Smyths Pyramidennumerik - für den Pyramidenzoll, den Pyramidyard, Pi, den goldenen Schnitt, die astronomischen Kenntnisse der Erbauer - alles falsch!!!. Damit sind natürlich sämtliche darauf basierenden "geometrischen Geheimnisse" Smyths hinfällig. Dennoch werden genau diese längst nicht mehr zutreffenden "Beweise" von 1864 (!) heute immer noch von vielen Autoren gnadenlos als der Weisheit letzter Schluss präsentiert – wie eben auch von Erich von Däniken.

Anmerkungen:
[1 ] Muss "doppelte Höhe" heißen!
[2 ] Arnold, Dieter; Building in Egypt, S. 10
[3 ] Schwab-Schlott, Adelheid; Altägyptische Texte über die Ausmaße Ägyptens, MDAIK 28/1 1972, Tafel XXIV
[4 ] von Däniken; Sphinx, "Wie entstand der Meter", S. 151
[5 ] Mendelssohn, Kurt; Das Rätsel der Pyramiden, S. 238 ff
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Alle Bilder und Texte © Frank Dörnenburg